Apple Pay startet in Deutschland

Im Sommer 2015 ging Apple Pay erstmals in Europa an den Start – neun Monate nach der Einführung in den USA. Und obwohl man bereits seit Jahren in London sein Underground Ticket per Apple Pay zahlen kann mussten iPhone-Besitzer hierzulande bislang noch auf das mobile Bezahlsystem von Apple warten. Eigentlich wollte Apple seinen mobilen Bezahldienst bereits am 19. November in Deutschland starten – Nun vier Jahre nach dem Start in den USA ist es auch in Deutschland endlich soweit: Apple Pay geht offiziell an den Start.

Nach Google setzt damit das zweite große US-Unternehmen auf Mobile Payment. Deutschland ist das 32. Land, in dem Apple Pay nun verfügbar ist. Mobiles Bezahlen steht in Deutschland noch am Anfang, wird aber an Bedeutung gewinnen, glaubt Oliver Bohl vom BVDW. Die vom US-Unternehmen kommunizierten Handelspartner scheinen bereit, auch viele Banken sind zum Start des Systems dabei.

Im nachfolgenden Artikel erfahren Sie alle Besonderheiten zu Apple’s neuen Bezahlverfahren.

Folgende Banken unterstützen das neue Bezahlverfahren

Zwölf Banken (darunter die Deutsche Bank, Comdirect oder N26, Hypo Vereinsbank und die Hanseatic Bank sowie American Express und Santander) stehen als Partner fest. Für das kommende Jahr sind weitere Partner angekündigt, darunter die DKB und ING.

Bislang nicht mit dabei sind Banken wie die Commerzbank (Partner von Google Pay) und die Postbank. Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken fehlen bislang, da diese nach wie vor noch auf eigene Bezahl-Apps setzen. Auch eine Kooperation mit Paypal steht noch aus.

Handelspartner haben bereits die Kassensysteme umgerüstet

Auch die Apple-Handelspartner sollen bereit für den Start sein – So sind ca.  40 Handelspartner bereits mit an Bord. Zu ihnen zählen unter Anderem: Aldi, Kaufland, Lidl, Netto, Real, Ditsch sowie Bekleidungshändler wie H&M und s.Oliver. Auch Aral, Shell, Mediamarkt und Saturn sowie die Fast-Food-Ketten McDonald’s und Burger King hätten ihre Systeme umgerüstet. In Deutschland sind mittlerweile rund 820.000 Terminals so umgerüstet, dass sie kontaktloses Bezahlen unterstützen. Hinzu kommen App-Anbieter wie Flixbus, MyTaxi und foodora, die mit dem US-Unternehmen zusammenarbeiten. Verwunderlich jedoch, einige der deutschen Apple-Ladengeschäfte sollen für das mobile Bezahlverfahren bislang noch nicht umgerüstet sein.

Einfache und komfortable Bedienung

Apple Pay lässt sich mit dem iPhone, dem Mac oder der Apple Watch nutzen und soll so die Zahlungsabwicklung im stationären AHndel vereinfachen und schneller machen als das herkömmliche Bezahlen mit Bargeld.

Wie funktioniert Apple’s mobiles Zahlungssystem?

Die Bezahlung erfolgt kontaktlos über den Kurzstreckenfunk NFC (Near Field Communication). Das Smartphone muss also nur kurz in die ­Nähe des Kassenterminals gehalten werden, ein Entsperren des Geräts ist nicht nötig. Die Autorisierung der Zahlung an der Kasse erfolgt über den Fingerabdruck auf dem Fingerabdruck-Scanner oder die Gesichtserkennung des iPhones oder alternativ über die Eingabe der PIN.

Abrechnung erfolgt via Kreditkarte

Abgerechnet wird über eine Kreditkarte, die der Nutzer einmalig hinterlegt. Das kann sowohl die bereits in iTunes registrierte Kreditkarte als auch eine neu hinzugefügte Kreditkarte sein. Dafür muss der Nutzer sie lediglich mit der Kamera seines iPhones fotografieren und im iPhone ablegen.

Bezahlverfahren gilt als sicher

Bei einem Verfahren, das so einfach in der Handhabung ist, stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Apple hat ein ganz eigenes Konzept entwickelt, dass bislang als sicher gilt. Apple Pay basiert auf der sicheren Mastercard Digital Enablement Service (MDES) Plattform. MDES setzt die fortschrittlichsten Zahlungstechnologien – EMV, Tokenisierung, Kryptographie und Biometrie – ein, um den Schutz der Informationen der Karteninhaber zu garantieren. Wird eine Mastercard für das mobile Bezahlen mit Apple Pay verwendet, wird die tatsächliche Kartennummer weder auf dem Gerät noch auf den Apple-Servern gespeichert. Somit werden für die Apple Pay Nutzung weder die Kreditkartennummer noch der Sicherheitscode der ­Karte auf dem iPhone gespeichert. Stattdessen wird lediglich ein einmaliges Token generiert, die im sogenannten Secure Element des Smartphones, einem speziell verschlüsselten Chip, gespeichert wird. Dieses Token wird an keiner anderen Stelle gespeichert und auch nicht über eine Cloud synchronisiert. Somit generiert das iPhone bei jeden einzelnen Bezahlvorgang geine einmalige Transaktionsnummer, die mit der Gerätenummer kombiniert wird. Auf diese Weise lässt sich die Zahlung der jeweiligen Kreditkarte und der entsprechenden Bank zuordnen.

Datenschutz wird gewährleistet

Apple betont, dass keinerlei Informationen über den Warenkorbinhalt sowie der Kaufsumme zu erhalten. Der Händler wiederum hat weder Zugriff auf die Kreditkartennummer noch auf den Namen des Kunden – auch wenn diese Informationen für den Händler natürlich nützlich wären im Bezug auf Kundenbindungsmaßnahmen.

Prognosen zufolge wird die Akzeptanz in Deutschland mit der Markteinführung von Apple Pay steigen

Bislang nutzen erst 11% aller deutschen Smartphone-Besitzer im stationären Handel mobile Zahlungsmethoden, was rund 5,8 Millionen Nutzern entspricht. In China hingegen zahlen bereits 80 Prozent der Menschen mit ihrem Smartphone im stationären Handel. Auch in anderen europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Großbritannien sind mobile Bezahlsysteme weiter verbreitet als Hierzulande. Apple Pay gibt es bereits in 31 weiteren Ländern, darunter die Nachbarstaaten Belgien, Schweiz, Dänemark und Frankreich.

Dass sich mobiles Zahlen bislang nicht in der Breite durchgesetzt hat, liegt auch an den Sicherheits- und Datenschutzbedenken,wie eine BVDW-Studie von September 2017 nahelegt. 40 Prozent der Befragten betrachten bargeldloses Bezahlen als kritisch. Auch Kreditkarten sind hierzulande noch immer wenig verbreitet. Laut der Bundesbank-Studie aus 2017 besitzen nur 36 Prozent der Verbraucher eine Kreditkarte, aber 98 Prozent eine Debitkarte. Die Nutzung beider Karten hat allerdings in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Der Vorsitzende der Fokusgruppe „Digital Commerce“ des Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) Oliver Bohl sagt hierzu:

„Letztendlich haben die wenigsten Kunden ein Interesse daran, wie gezahlt wird. Wir empfinden ja keinen Spaß am Bezahlen, wir haben beim Einkaufsprozess vielleicht noch Spaß, aber die Bezahlung ist gut, wenn sie reibungslos und einfach abläuft. Wir haben in der deutschen Gesellschaft einen Anteil an Bargeldzahler von knapp über 50 Prozent“

Doch Branchenexperten prognostizieren mit dem Eintritt von Apple Pay, dass sich Mobile Payment zukünftig auch in Deutschland weiter verbreiten wird. Laut Branchenexperten soll Deutschland in den kommenden vier Jahren den Rückstand auf andere Länder aufholen. Für 2020 rechnen die Analysten mit 8,1 Millionen, für 2021 mit 9,4 Millionen und 2022 schließlich mit mehr als zehn Millionen Kunden.

Zusätzliche Mehrwerte würden mobile Bezahlverfahren für die Nutzer attraktiver machen und die Akzeptanz steigern

Digitale Kassenbons oder gekoppelte Bonuspunkte-Systeme könnten für den Nutzer attraktive Mehrwerte schaffen, die zusätzlich die Akzeptanz mobiler Zahlungssysteme steigern könnten. Bei Kreditkarten gibt es solche zusätzlichen Anreize schließlich schon lange.

Welche Geräte unterstützen das neue Bezahlverfahren?

Um den Service aus Cupertino im stationären Handel nutzen zu können, benötigt man ein iPhone 6, ein neueres Modell oder ein iPhone SE. Zusätzlich werden die Funktionen durch die gängigen Modelle des iPads unterstützt. Im Browser Safari kann Apple Pay bei jedem Mac benutzt werden, der seit 2012 vorgestellt wurde und mit dem Betriebssystem macOS Sierra ausgestattet ist.

Wie erfolgt die Anmeldung?

Die Anmeldung läuft zunächst über die Wallet des Smartphones, wo der Nutzer im ersten Schritt seine Kredit- oder Debitkarte per Scan (oder manuell) hinterlegen muss. Je nach Bank sind weitere Schritte nötig, um den Service einzurichten. Künftige Transaktionen an der Kasse oder in den Apps laufen dann per Authentifizierung über Face-ID oder Finger-Print ab. Unter „Letzte Einkäufe“ kann man die Transaktionen einsehen.

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